Tour des Combins
Tour des Combins (6 Tage, 240km, 10.000 Höhenmeter): Tag 1Tour des Combins (französische Alpen): 11. - 16. September 2011
Tag 1: Sonntag 11.09.2011
Vorbereitung: Während des Geberit-Pangaea School Projects in Kraljevo (Serbien), an dem ich für drei Wochen von Ende August bis Anfang September mit sechs anderen Jugendlichen aus Deutschland, der Schweiz und Polen teilgenommen habe, sind Luana und ich auf die Idee gekommen, in Anschluss an das Projekt noch eine sechstägige Wanderung durch die französischen Alpen zu unternehmen. Luana war im Frühjahr dieses Jahres Mitglied der Pangaea-Expedition zum magnetischen Nordpol und hatte dort von Fred Roux, einem Bergführer aus Chamonix, erfahren, dass die „Tour des Combins“ im Wallis eine wunderschöne und anspruchsvolle Wanderroute sei (min. 200km Distanz, min. 8300m Höhenunterschied). Noch in Serbien planten wir die sechs Tage durch die französischen Alpen und kauften bereits in Kraljevo für unglaubliche 2500 Dinar (ca. 25€) Haferflocken, Nüsse, getrocknetes Obst, Nudeln, „Schokolade“, Fertigsuppen und Fertigsoßen ein - also unsere komplette Verpflegung. In der Schweiz hätten wir wohl das vier- bis fünffache dessen bezahlt. Die Rückfahrt von Kraljevo nach Basel führte durch Serbien, Kroatien, Slowenien, ein Stück entlang des Mittelmeers, durch Italien und abschließend durch die Alpen. Ein langer Stau vor dem Gotthart Tunnel führte dazu, dass wir uns entschlossen stattdessen über den Pass zu fahren. Ein Blick auf die Temperaturanzeige im Auto überraschte uns. 13° C Außentemperatur, was eine erhebliche Differenz zu den teilweise fast 40° C in Serbien darstellte. Wir ließen uns nicht abschrecken und überzeugten Michael, unseren Projektkoordinator und Fahrer, oben auf dem Pass inmitten einer kleinen Seenlandschaft anzuhalten. In Sekundenschnelle hatten wir uns umgezogen, um uns in dem eiskalten und extrem klaren Bergwasser zu erfrischen. Der Tag in Basel inklusive schwimmen im Rhein ging schnell vorbei, sodass wir unsere Rucksäcke mitten in der Nacht packen mussten und uns mit einer Stunde Schlaf am nächsten Morgen mit dem Zug gen Alpen aufmachten
Tag 1: Mittags erreichen wir mit dem Bus das kleine Städtchen Bourg-St.-Pierre (1632m), dass den Start- und Zielpunkt der Tour darstellt. Im Süden hinter den hohen Bergketten sind die ersten Quellwolken zu erkennen, ein Indiz für die am Abend angekündigten starken Regenfälle und Gewitter. Aus diesem Grund machen wir uns mit unseren mehr als 10kg schweren Rucksäcken auf dem Weg, um unser Zelt noch rechtzeitig im Trockenen und an einem geschützten Ort aufbauen zu können. Die fast fünf Stunden andauernde Tour führt auf Trampelpfaden zunächst durch Wald und später über Kuhweiden entlang kahler Felswände, vorbei an kleinen Wildwasserbächen und Hängen, die durch verschiedene Sträucher und Büsche in den unterschiedlichsten Grün-, Rot- und Gelbtönen gefärbt sind. Wir habe eine weite Aussicht hinüber auf verschneite Gipfel und in Täler, in denen wir die ersten Gletscher erkennen können. Die Temperatur an dem Westhang ist trotz der starken Sonneneinstrahlung recht angenehm, da ein starker Südwestwind vorherrscht. Am Nachmittag erreichen wir den Endpunkt unserer Tagesetappe auf über 2400m, entschließen uns aber, nachdem wir unsere Flaschen an einer durch Moos bewachsene Quelle mit Wasser aufgefüllt haben, am Osthang wieder abzusteigen und einen durch Wind geschützten Platz in einer Mulde aufzusuchen. Dunkle Wolken verfolgen uns. Doch rechtzeitig finden wir einen geeigneten Platz, weit genug von Bäumen und Gipfeln entfernt, in den Nähe eines märchenhaften Sees gelegen, wo wir unser grünes „Tarnzelt“ aufstellen können. Der letzte Hering ist gerade in den Boden geklopft, als die ersten Regentropfen auf unser Zelt niederprasseln. Bevor wir übermüdet in unsere Schlafsäcke kriechen, kochen wir noch eine warme Suppe und Nudeln mit Tomatensoße auf unserem kleinen Gaskocher. Luana schläft sofort ein, während wir in der Ferne die ersten Donner hören. Ich fülle die ersten Seiten meines Tagebuchs mit Wörtern und stelle fest, wie das Gewitter immer näher kommt. Plötzlich erschrecke ich, als das Zelt orange aufleuchtet und gleichzeitig ein lautes Krachen wahrzunehmen ist. Noch zweimal donnert es direkt über uns. Das Zelt leuchtet hellgelb und ich frage mich, ob das die ganze Nacht so weitergehen würde. Das Gewitter zieht langsam ab und ich schlafe mit der Hoffnung ein, nicht umgeben von Wasser aufzuwachen, während der Regen weiterhin rhythmisch auf unser Zelt trommelt. |
|
|

