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Bild D.Sharanov: Karakorum Expedition / Baltoro Gletscher
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Tour des Combins

Tour des Combins (6 Tage, 240km, 10.000 Höhenmeter): Tag 1

PostDateIconFreitag, den 23. September 2011 um 21:07 Uhr | PostAuthorIconGeschrieben von: Alexander Groos | Drucken | E-Mail

Tour des Combins (französische Alpen): 11. - 16. September 2011


Tag 1: Sonntag 11.09.2011


Vorbereitung:

Während des Geberit-Pangaea School Projects in Kraljevo (Serbien), an dem ich für drei Wochen von Ende August bis Anfang September mit sechs anderen Jugendlichen aus Deutschland, der Schweiz und Polen teilgenommen habe, sind Luana und ich auf die Idee gekommen, in Anschluss an das Projekt noch eine sechstägige Wanderung durch die französischen Alpen zu unternehmen.

Luana war im Frühjahr dieses Jahres Mitglied der Pangaea-Expedition zum magnetischen Nordpol und hatte dort von Fred Roux, einem Bergführer aus Chamonix, erfahren, dass die „Tour des Combins“ im Wallis eine wunderschöne und anspruchsvolle Wanderroute sei (min. 200km Distanz, min. 8300m Höhenunterschied). Noch in Serbien planten wir die sechs Tage durch die französischen Alpen und kauften bereits in Kraljevo für unglaubliche 2500 Dinar (ca. 25€) Haferflocken, Nüsse, getrocknetes Obst, Nudeln, „Schokolade“, Fertigsuppen und Fertigsoßen ein - also unsere komplette Verpflegung. In der Schweiz hätten wir wohl das vier- bis fünffache dessen bezahlt.

Die Rückfahrt von Kraljevo nach Basel führte durch Serbien, Kroatien, Slowenien, ein Stück entlang des Mittelmeers, durch Italien und abschließend durch die Alpen. Ein langer Stau vor dem Gotthart Tunnel führte dazu, dass wir uns entschlossen stattdessen über den Pass zu fahren. Ein Blick auf die Temperaturanzeige im Auto überraschte uns. 13° C Außentemperatur, was eine erhebliche Differenz zu den teilweise fast 40° C in Serbien darstellte. Wir ließen uns nicht abschrecken und überzeugten Michael, unseren Projektkoordinator und Fahrer, oben auf dem Pass inmitten einer kleinen Seenlandschaft anzuhalten. In Sekundenschnelle hatten wir uns umgezogen, um uns in dem eiskalten und extrem klaren Bergwasser zu erfrischen.

Der Tag in Basel inklusive schwimmen im Rhein ging schnell vorbei, sodass wir unsere Rucksäcke mitten in der Nacht packen mussten und uns mit einer Stunde Schlaf am nächsten Morgen mit dem Zug gen Alpen aufmachten


Tag 1:

Mittags erreichen wir mit dem Bus das kleine Städtchen Bourg-St.-Pierre (1632m), dass den Start- und Zielpunkt der Tour darstellt. Im Süden hinter den hohen Bergketten sind die ersten Quellwolken zu erkennen, ein Indiz für die am Abend angekündigten starken Regenfälle und Gewitter. Aus diesem Grund machen wir uns mit unseren mehr als 10kg schweren Rucksäcken auf dem Weg, um unser Zelt noch rechtzeitig im Trockenen und an einem geschützten Ort aufbauen zu können.

Die fast fünf Stunden andauernde Tour führt auf Trampelpfaden zunächst durch Wald und später über Kuhweiden entlang kahler Felswände, vorbei an kleinen Wildwasserbächen und Hängen, die durch verschiedene Sträucher und Büsche in den unterschiedlichsten Grün-, Rot- und Gelbtönen gefärbt sind. Wir habe eine weite Aussicht hinüber auf verschneite Gipfel und in Täler, in denen wir die ersten Gletscher erkennen können. Die Temperatur an dem Westhang ist trotz der starken Sonneneinstrahlung recht angenehm, da ein starker Südwestwind vorherrscht. Am Nachmittag erreichen wir den Endpunkt unserer Tagesetappe auf über 2400m, entschließen uns aber, nachdem wir unsere Flaschen an einer durch Moos bewachsene Quelle mit Wasser aufgefüllt haben, am Osthang wieder abzusteigen und einen durch Wind geschützten Platz in einer Mulde aufzusuchen. Dunkle Wolken verfolgen uns. Doch rechtzeitig finden wir einen geeigneten Platz, weit genug von Bäumen und Gipfeln entfernt, in den Nähe eines märchenhaften Sees gelegen, wo wir unser grünes „Tarnzelt“ aufstellen können. Der letzte Hering ist gerade in den Boden geklopft, als die ersten Regentropfen auf unser Zelt niederprasseln.

Bevor wir übermüdet in unsere Schlafsäcke kriechen, kochen wir noch eine warme Suppe und Nudeln mit Tomatensoße auf unserem kleinen Gaskocher.

Luana schläft sofort ein, während wir in der Ferne die ersten Donner hören. Ich fülle die ersten Seiten meines Tagebuchs mit Wörtern und stelle fest, wie das Gewitter immer näher kommt. Plötzlich erschrecke ich, als das Zelt orange aufleuchtet und gleichzeitig ein lautes Krachen wahrzunehmen ist. Noch zweimal donnert es direkt über uns. Das Zelt leuchtet hellgelb und ich frage mich, ob das die ganze Nacht so weitergehen würde. Das Gewitter zieht langsam ab und ich schlafe mit der Hoffnung ein, nicht umgeben von Wasser aufzuwachen, während der Regen weiterhin rhythmisch auf unser Zelt trommelt.

Fotos (1-18)

 

Tour des Combins (6 Tage, 240km, 10.000 Höhenmeter): Tag 2

PostDateIconSonntag, den 09. Oktober 2011 um 20:24 Uhr | PostAuthorIconGeschrieben von: Alexander Groos | Drucken | E-Mail

Tour des Combins (französische Alpen): 11. - 16. September 2011


Tag 2: Montag 12.09.2011


Nach langen und erholsamen zehn Stunden Schlaf wachen wir früh morgens auf. Wir kochen uns Porridge zum Frühstück und öffnen anschließend das Zelt, um nach dem heutigen Wetter zu schauen. Es hat aufgehört zu regnen, doch es scheint, als hingen die Wolken überall noch sehr tief. Die Gipfel hinter dem märchenhaften See, auf den wir direkt aus unserem Zelt hinaus blicken können, sind total verhangen. Auf der anderen Seite klart es aber bereits auf. Wolken, die aussehen wie zerfetzte Kissen und langsam aus dem Tal abziehen und durch die Thermik die Hänge hinauf kriechen, ermöglichen uns eine grandiose Aussicht viele hundert Meter hinunter auf ein Dorf.

Wir bauen unser Zelt ab und beginnen unsere achtstündige Tagesetappe. Kurz vor dem Markierungspunkt Servay (2074m) fängt der erste Abschnitt unserer Tour an, der uns auf Trampelpfaden entlang mit Sträuchern bewachsener Hänge führt, während wir uns die ganze Zeit oberhalb oder direkt in den Wolken befinden und dieses Naturschauspiel bewundern können.

Der Weg in ein anderes Tal eröffnet immer wieder eine völlig neue Perspektive und bietet viel Abwechslung. Von Brunet (2103m) aus laufen wir direkt auf einen Gletscher zu, der in einiger Höhe vom Gipfel in Richtung Tal verläuft und die kleinen Bergbäche mit eiskaltem Wasser speist. Wir fragen uns, ob wir die Tage wohl noch auf Schnee und Eis laufen werden, oder diesen Anblick die ganze Zeit „nur“ aus der Ferne genießen dürfen.

Der erste Anstieg der Tages, der es in sich hat, wartet auf uns. Bis wir am Col des Avouillons (2647m) angekommen sind, stellen sich unsere Gespräche ein, was immer ein Zeichen von Anstrengung und Konzentration ist. Oben am Grad angekommen können wir es nicht fassen. Wir blicken hinunter auf den Glacier de Panossière, der sich durch das Tal windet und von dünnen Gletscherspalten über die ganze Breite hinweg durchzogen ist. An dem Hang auf der anderen Seite des Gletschers ist eine Holzhütte zu erkennen, die normalerweise den Endpunkt unserer heutigen Tour darstellen würde. Hocherfreut über die potentiell anstehende Gletscherüberquerung, womit wir auf unserer Tour wirklich nicht gerechnet hätten, folgen wir dem Pfad hinunter zu einem kleinen See, der sich neben den Seitenmoränen befindet, und neben ein erfrischendes Bad in dem eisigen aber dafür kristallklaren Wasser.

Danach führt der Weg über steile, glitschige und lose Hänge der Seitenmoräne zum Gletscher. Idealerweise ist mit blauen großen Pflöcken gekennzeichnet, welche Route man am besten über den Gletscher wählt. Wir sind beeindruckt von der Masse aus Eis, die vor uns liegt und beginnen unser Abenteuer. Der Gletscher ist nicht nur von Spalten übersät, die allerdings gut sichtbar und relativ schmal sind, sonder auch von kleinen Bächen durchzogen, die das geschmolzene Wasser oberirdisch abtransportieren, bis zu winzigen Löchern, die wie ein Abfluss fungieren und das Wasser in das unterirdische Flusssystem leiten. Der Weg des Wassers führt aus der Gletscherzunge hinaus ins Tal. Ein merkwürdiges Gefühl überkommt einen, wenn man bedenkt, dass man sich auf einer Fläche aus gefrorenem Wasser über flüssigem Wasser befindet und sieht, wie die kleinen Bäche des hellblauen Wassers plötzlich in der Tiefe verschwinden. In der Mitte des Gletschers angekommen drehen wir uns um und können nun auch die anderen kleineren Gletscher sehen, welche die steilen Hänge herunterfließen und Luana an ein totes Eisbärfell erinnern.

Auf der anderen Seite angekommen wartet der nächste Anstieg auf uns, der uns auf den Col des Otanes (2846m) führt, dem eigentlich höchsten Punkt der Tour des Combins. Von dort aus haben wir ein letztes mal die Gelegenheit, den gesamten Glacier de Panossière zu überblicken, bevor es entlang riesiger Geröllfelder wieder bergab auf 2300m geht, wo wir nach einem sicheren Platz zum Zelten suchen. Geschützt hinter einem großen Stein bauen wir dieses auf, den Ein- / Ausgang so gewählt, dass wir direkt auf die gegenüberliegende Bergkette schauen können.

Die Nacht wird kalt, da wir uns am Osthang befinden und keine einzige Wolke am Himmel zu sehen ist.

Fotos (19-52)

 

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