Karakorum Auswahlcamp Tag 2
Karakorum Auswahlcamp 02. - 12. Mai 2010 in Châteaux d'Oex
Tag 2: Fitnesstest / Mayo Clinic, Montag 03.05.2010
Kais Wecker klingelte um 06:30 Uhr und es war Zeit, die Fahrradkleidung aus der noch nicht ausgeräumten Reisetasche herauszusuchen, da wir alle pünktlich in einer halben Stunde draußen zum Frühsport erscheinen mussten. Merkwürdigerweise hatte trotz der kurzen Nacht niemand verschlafen. Draußen warteten bereits Martin, Dmitry (Fotograf, der uns die ganzen elf Tage begleitet hat und einige Jahre für Greenpeace aktiv war), „Moose“ (er hat uns die elf Tage mit der Kamera begleitet und Videos über das Selection Camp gedreht) und Ben auf uns. Nachdem jeder von uns ein Mountainbike ausgeliehen bekommen hatte, ging es los zu einer einstündigen Fahrradtour über Feld- und Waldwege, rutschige Wurzeln, glitschige Brücken und nasse Wiesen. Da nicht alle so geübt im Fahrrad fahren waren und teilweise konditionelle Schwierigkeiten hatten, haben wir öfters Pausen eingelegt. Pünktlich zum Frühstück um 08:30 Uhr waren wir alle wieder zurück. Lauren aus den USA hatte sich während der Tour eine schöne Schürfwunde zugezogen, die sofort von der Kamera festgehalten wurde. :)
Nach dem Frühstück wurden wir in eine Achter- und in eine Siebenergruppe aufgeteilt. Für meine Gruppe (Iga, Shruti, Tiziana, Hugo, Kai, Erica, Leonard und mich) stand ein Fitnesstest mit der Mayo Clinic an, die extra aus den USA angereist war, um unsere körperliche Belastbarkeit zu testen und die gewonnenen Ergebnisse für ihre Forschungszwecke zu verwenden. Zwischen 10:00 und 12:00 Uhr standen unterschiedliche Übungen und Tests auf dem Programm. Zuerst wurde unser Puls im Sitzen und Stehen gemessen, dann der Blutdruck. Danach wurde unsere Größe, unser Gewicht und der Fettanteil an unserem Körper gemessen. Zum Abschluss musste jeder von uns auf das Laufband, um zu messen, wieviel Liter Sauerstoff wir maximal pro Minute aufnehmen können. Dazu musste jeder von uns eine Maske, die Mund und Nase bedeckt hat, aufziehen, wodurch Andy, Bryan und Jenny von der Mayo Clinic mit ihren Geräten genau testen konnten, wieviel Sauerstoff wir einatmen und wieviel Kohlenstoffdioxid wir ausatmen. Ziel auf dem Laufband war es, an seine Belastungsgrenze zu kommen. Wie schnell oder lange man sich auf dem Laufband bewegt hat, war nicht von Bedeutung. Die Person, die gerade am Laufen war, musste auf einem Blatt, das ein anderer von uns hochgehalten hat, in regelmäßigen Abständen auf einer Skala von 1 (extrem einfach) – 20 (extrem anstregend) zeigen, wie sie sich fühlt, wodurch überprüft werden konnte, wie gut man sich selbst einschätzen kann. Ich war als letzter unserer Gruppe an der Reihe und war etwas angespannt, da ich vorher noch nie auf einem Laufband unterwegs war, was daran liegt, dass ich kein Fan von Fitnessstudios bin! Zuerst hat Andy eine Steigung von 10% auf dem Laufband simuliert bzw. eingestellt und danach die Geschwindigkeit langsam auf bis zu 14.5km/h hochgefahren. Ich schätze, dass ich so um die 20 Minuten gelaufen bin. Mit Hilfe des Puls, der auf der Anzeige des Laufbands ständig angegeben wurde, konnte ich selbst mitverfolgen, wie ich mich meiner Belastungsgrenze näherte. Wenn sich der Puls in Richtung 200 bewegt, ist die Höchstbelastung erreicht. Meine raltive Sauerstoffaufnahme lag bei 69,1 ml pro min und kg, was der bisher beste Testwert in den Camps war. :) Ich hatte 141% von dem Wert erreicht, der für jemandem in meinem Alter, meiner Größe und meinem Gewicht prognostiziert wird. Erica aus meiner Gruppe lag sogar bei 173% glaube ich! Während der letzten Minuten auf dem Laufband war ich extrem am Schwitzen und hatte das Gefühl, nicht mehr ganz klar denken zu können, was an dem Mangel an Sauerstoff lag. Unangenehm an der Maske war, dass der Mund und der Hals sehr trocken wurde.
Nach den anstrengenden und sehr informativen Tests gab es Mittagessen.
Um 14:00 Uhr, während die andere Gruppe nun die Fitnesstests hatte, haben wir gelernt, mit Kompass und Karte umzugehen und Koordinaten in eine Karte einzuzeichnen. Nachdem wir die vorgegebenen Koordinaten eingegeben hatten, sind wir nach draußen gegangen und mussten anhand der Karte fünf Punkte in der weiteren Umgebung von Châteaux d'Oex aufsuchen, was erfolgreich funktioniert hat.
Am späten Nachmittag hatte mich Martin gebeten, Shruti aus Indien zu zeigen, wie man die Gangschaltung eines Fahrrads benutzt, da sie aus Indien nur Fahrräder ohne Schaltung kannte und mit den modernen Mountainbikes nicht zurecht kam. So schwierig es für sie war, das Schaltsystem zu verstehen, so schwierig war es für mich, dieses auf Englisch zu erklären. :)
Letztendlich haben wir beide dazugelernt!
Am Abend ist Ashwini aus Malaysia zu uns gestoßen, die Probleme mit ihrem Flug hatte und deshalb erst später angereist ist. Vor dem Abendessen haben wir Teilnehmer uns alle in einem Zimmer getroffen und unsere verschiedenen Geschenke ausgetauscht.
Nach dem Abendessen haben uns Bryan und Andy von der Mayo Clinic in dem Seminarraum im „Hotel de Ville“ noch einen Vortrag über die Fitnesstests und die daraus resultierenden Ergebnisse und Erkenntnisse gehalten und uns erklärt, wie sich der menschliche Körper in exremer Höhe verhält. Da ich in den ersten Tagen noch Schwierigkeiten hatte, das Englisch der Amerikaner und z.B. das von Jye aus Australien vollständig zu verstehen, war es leider nicht möglich, allen wissenschaftlichen Ausführungen genau folgen zu können. Was mich unter anderem überrascht hat, war die Aussage, dass Kohlenstoffdioxid und nicht Sauerstoff der Auslöser dafür ist, dass wir atmen.
Um 23:45 ging es endlich ins Bett.

