Bergwaldprojekt 27.03. - 02.04. 2011

Das Bergwaldprojekt ist eine Organisation aus Deutschland, der Schweiz und Österreich, die in den jeweiligen Ländern unabhängig voneinander agiert und „freiwillige ökologische Arbeitseinsätze an verschiedenen Einsatzorten zwischen der Nordseeinsel Amrum und den bayerischen Alpen [in Kooperation mit lokalen Forst- und Nationalparkbehörden plant und durchführt]. Das Arbeitsspektrum reicht von Pflanzungen und Pflegemaßnahmen über Erosionsverbauungen, Steigbau und Biotoppflege bis hin zu Moor- und Bachrenaturierungen.“
Bergwaldprojekt im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land 27.03. - 02.04. 2011
Ende März hatte ich mich entschlossen in den Semesterferien noch einer praktischen Aufgabe nachzugehen, bevor das 2. Semester beginnt, und habe deshalb an einem ökologischen Arbeitseinsatz des Bergwaldprojektes im Norden Brandenburgs teilgenommen, von dem ich im Folgenden berichten werde.
Insgesamt hatten sich ca. 20 Freiwillige aus ganz Deutschland zusammengefunden, um innerhalb einer Woche einen kleinen Teil zur Veränderung der Wälder hin zu einem natürlicheren Zustand beizutragen.
Unterstützt wurden wir von zwei Forstwirten aus Freiburg, erfahrenen Gruppenleitern, einer lokalen Oberförsterin und einer sehr engagierten Projektleiterin.
Der Arbeitstag begann jeden Morgen zeitig um 6:00 Uhr. Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es in den Wald, wo wir uns bis zum Nachmittag aufgehalten und gearbeitet haben. In der Mittagspause im Wald gab es immer ein köstlich vorbereitetes Essen unseres Kochs Sebastian.
Zurück im Forsthaus Boberow gegenüber des bekannten Schloss Rheinsberg am Grienericksee, wo wir untergebracht waren, wurde sich auf der Terrasse bei sonnigem Wetter und Ausblick auf den See ein frisches Bier gegönnt. Zum Abschluss des Tages gab es u.a. sehr interessante Vorträge zu den Themen: „Der Wald im Klimawandel“ und „Die Rückkehr der Wölfe im Rupppiner Land“.
Natürlicherweise müsste man in Brandenburg, wie eigentlich in ganz Deutschland, fast ausschließlich Buchenwälder und vereinzelt andere Laubbäume vorfinden und nur in sehr geringem Maße (<1 %) Nadelbäume wie Fichte und Kiefer. Nachdem vor einigen hundert Jahren die Wälder in Brandenburg fast völlig gerodet waren, wurden diese kahlen Flächen durch unsere Vorfahren mit Nadelbäumen aufgeforstet, da diese Baumarten gut als Brenn- und Baustoff verwendet werden konnten. Im Nachhinein haben sich diese Monokulturen mit unserem heutigen Wissen allerdings als ein großer Fehler herausgestellt. Die Nadelbäume entziehen dem Boden aufgrund ihrer immergrünen Blätter viel Wasser, führen zur Versauerung des Bodens, sodass nur anspruchslose Pflanzen wie Moose und Brombeersträucher auf dem Waldboden wachsen können, und sind sehr anfällig bei starken Stürmen (Bsp. Verwüstungen des Sturms Kyrill im Sieger- und Sauerland) und für den Borkenkäfer (Bsp. Bayrischer Wald).
Laubbäume wie die Buche und Eiche tragen im Wald zu einem vielfältigeren und stabileren Ökosystem bei, weil sie im Gegensatz zu den Nadelbäumen keine Flachwurzler sind und so starken Wetterereignissen wie Stürmen besser standhalten können. Der Vorteil von Mischwäldern ist, dass mehr Lebensräume für verschiedene Arten entstehen und sich Borkenkäfer nur viel schwieriger ausbreiten können.
Ziel unserer Projektwoche war es, den natürlichen Prozess, der normalerweise hunderte bis tausende von Jahre benötigen würde, um den heutigen Wald in einen Ursprungs näheren Zustand zu bringen, zu beschleunigen. Aus diesem Grund haben wir in wenigen Tagen über 3000 kleine Buchen in einem Kiefernwald gepflanzt. In einem anschließenden Projekt wurde zusätzlich Eichen gepflanzt und unsere Arbeit fortgeführt.
Damit die jungen Pflanzen bei den zu großen Wildbeständen überhaupt eine Chance haben zu wachsen, mussten wir die ersten zwei Tage einen 800m langen Zaun um das Gebiet, in dem wir pflanzen wollten, anlegen. Das Material dafür haben wir aus einem 1000m langen Zaun verwendet, den wir zuvor in einem anderen Bereich des Waldes abbauen konnten, da der Buchenbestand dort bereits alt genug war, sodass das Wild keine größeren Schäden mehr anrichten konnte.
Am Freitagnachmittag, zum Abschluss der arbeitsintensiven und lehrreichen Woche, wurde von der lokalen Oberförsterin eine spannende Exkursion ins Moorgebiet angeboten, die wie die Tage zuvor sehr interessant und informativ war. Das erworbene Wissen wird sicherlich auch im weiteren Verlaufe des Studiums nicht von Nachteil sein.
Vielen Dank an die Organisatoren und alle anderen Teilnehmer für die tolle Woche!
Wer während des Jahres Lust und Zeit hat, für eine Woche einer praktischen und ökologischen Tätigkeit nachzugehen und nette Leute kennenzulernen, dem kann ich dieses Projekt nur weiterempfehlen!
http://www.bergwaldprojekt.de/projekte/allgemeines
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